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Aspekte der Neurowissenschaften zum Fremdspracherwerb

Die Neurowissenschaften haben während der letzten 10 Jahre den Vorgang des Lernens eingehend erforscht und wesentliche Merkmale entschlüsseln können. Hieraus resultiert ein grundsätzliches Verständnis für die Ursachen der derzeitigen degressiven Tendenzen im Bildungswesen, welches die Richtung notwendiger Änderungen weist.

Mit Bezug auf den Fremdspracherwerb ist hier geltend zu machen, dass von den ca. 10.000 Informationseinheiten (bits of information), welche pro Sekunde zwischen Gesprächspartnern ausgetauscht werden, nur der kleinste Teil lexikalisch semantischen Charakters ist und linkshemisphärisch erfasst wird. Bis zu 80% hingegen sind Tonfall, Mimik, Gestik, Körpersprache und wird in der rechten Hemisphäre des Gehirns verarbeitet. Bei kognitivem Lernen bleibt dieser Anteil, die Empathie im Sprachgebrauch, jedoch weitgehend unberührt. Gleichzeitig ist dies aber gerade der Anteil, welcher notwendig ist, um den Zustand der entspannten Aufmerksamkeit (relaxed awareness) herbeizuführen, welcher der optimale Zustand für jegliches Lernen ist. Bei vorwiegend auf Schrift und Lektüre basierendem Lernen wird also der weitaus größere Teil der vorhandenen Lern- und Aufnahmefähigkeit gar nicht beteiligt.
Hierin ist auch der Grund dafür zu sehen, dass die in der Schule kognitiv, also vorwiegend linkshemisphärisch erworbenen, expliziten Sprachkenntnisse bei der Ankunft im Ausland zunächst kaum verfügbar sind, denn die persönliche Begegnung ist ein vorwiegend rechtshemisphärischer Vorgang; in der Schule war jedoch die rechte Hemisphäre nur wenig an dem Lernen der sprachlichen Inhalte beteiligt. Es muss also nun der implizite, d.h. der übende Lernprozess nachgeholt werden um die linkshemisphärisch gelernten Inhalte durch die persönliche Begegnung mit der Sprache im Ausland rechtshemisphärisch zu assimilieren.

Konsequenzen für den Lehrplan

Die Notwendigkeit nicht-kognitiver Ansätze, zur Unterstzützung der Lernfähigkeit und Lernwilligkeit der Schüler, verleiht der Fremdsprache eine Sonderstellung im Lehrplan. Die Tatsache, dass der Lernprozess nicht nur explizit im Schulzusammenhang, sondern auch implizit, d.h. als ein 'biographisches Ereignis' im Ausland verfügbar ist, macht die Fremdsprache zu einem der 'lernbarsten' Schulfächer.
Bei der Rückkehr in den eigenen Schulalltag wird der in der praktischen Anwendung im Ausland erzielte Sprachfortschritt zum Erfolg in einem Schulfach und somit zu einem positiven Impuls der Motivationsspirale und der Einstellung zum Lernen im Allgemeinen.

Manche Kinder wagen es daher schon früh und ohne Vorkenntnisse, in eine solche Fremdsprach-Erfahrung einzutauchen.

Mehr Informationen hierzu unter:
www.uni-ulm.de/klinik/psychiatrie3/leitung
www.br-online.de/alpha/geistundgehirn

 

>> Aspekte der Neurowissenschaften zur Musikerziehung

 

 


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